TEXEL
DIE WESTFRIESISCHE INSEL
Im Frühjahr nach Norden, im Herbst nach Süden – für alle, die außerhalb der klassischen Ferienzeiten reisen können, ist das ein durchaus vernünftiges Konzept. Die Vorteile der Nebensaison liegen auf der Hand: Die großen Urlauberströme sind noch nicht unterwegs oder längst wieder verschwunden. Der einzige Haken? Auch das Wetter hat nicht Hochsaison.
Auf Texel, der größten niederländischen Wattenmeerinsel, zeigte sich das diesmal besonders deutlich. Von 20 Urlaubstagen waren zehn mehr oder weniger verregnet. Dazu blies eine kräftige Nordseebrise, die die ohnehin eher bescheidenen Temperaturen noch deutlich kälter erscheinen ließ. Berge, die den Wind bremsen könnten, sucht man vergeblich. Die höchste Erhebung der Insel bringt es auf gerade einmal 15 Meter und wird trotzdem stolz als „Berg“ bezeichnet.

Also Regenjacke anziehen und raus in die Natur. Schließlich will man das Leben spüren. Oder es sich zumindest einreden, dass man es spürt.
Für Fotografen hat schlechtes Wetter durchaus seine Vorzüge. Regen und feiner Dünensand mögen zwar nicht die besten Freunde von Kamera und Objektiv sein, dafür zeigen sich Landschaften nach einem Schauer oft von ihrer schönsten Seite. Die Farben wirken intensiver, das Licht weicher, die Stimmung dramatischer. Und davon hat Texel reichlich zu bieten.

Die Insel misst nur 25 Kilometer in der Länge und neun Kilometer in der Breite, verfügt aber über mehr als 140 Kilometer bestens ausgebauter Radwege. Für Wanderer und Radfahrer ist sie ein kleines Paradies. Endlose Nordseestrände, Lagunen und Sandbänke am Wattenmeer, Salzwiesen, Dünenlandschaften, Kiefern- und Mischwälder wechseln sich ab. Große Teile der Insel stehen unter Naturschutz. Dazu kommen sieben charmante Dörfer, kleine Häfen, ein Leuchtturm und im Frühjahr Blumenwiesen, soweit das Auge reicht.

Die Ortsnamen klingen fast wie aus einem Kinderbuch: Den Burg, De Koog, De Cocksdorp, Den Hoorn, De Waal, Oosterend und Oudeschild. Klein, gemütlich und sympathisch – genau so präsentieren sich diese Orte auch in Wirklichkeit.

In den zahlreichen typischen Kneipen wird selbstverständlich Texeler Bier ausgeschenkt. Bis zu 11,70 Euro für einen halben Liter sind eine Ansage! Dafür stimmt die Qualität, ebenso wie das kulinarische Angebot. Als lokale Spezialitäten begegnen einem neben Kibbeling auch Kapsalon oder Loaded Fries (nie gehört): Pommes, großzügig mit Sauce übergossen und anschließend mit Käse überbacken. Eine Herausforderung in jeder Hinsicht. Beim Appeltaart danach sollte man Maß halten – es besteht Suchtgefahr!
Besonders stolz sind die Texeler auf ihr berühmtes Texeler Lamm, das sich mit der Zeit zwangsläufig zum Schaf hochentwickelt. Hübsch? Nennen wir's "markant". Welche Produkte außer Wolle, Bettdecken und Strickwaren noch aus den wolligen Inselbewohnern hervorgehen, überlasse ich der Fantasie des geneigten Lesers.

Doch Texel hat weit mehr zu bieten als Schafe. Auch Vogelliebhaber und Ornithologen kommen voll auf ihre Kosten. Mehr als 400 Vogelarten wurden auf Texel bereits nachgewiesen. Viele von ihnen nutzen die Insel als Rastplatz auf ihren Zugrouten. Zu Zehntausenden bevölkern sie die weitläufigen Wasserlandschaften. Besonders beeindruckend ist Europas längster Vogelboulevard mit Dutzenden Aussichtspunkten und Beobachtungsstationen.
Die Insel ist überdies bekannt für weitere hervorragende regionale Produkte: Käse, Bier, Senf, Whisky, Cranberry-Spezialitäten, Blumenzwiebeln, Erdbeeren sowie Austern und allerlei andere Köstlichkeiten aus dem Meer.
Neben dem markanten Leuchtturm, historischen Stätten und den typischen Schafscheunen – den sogenannten Schapenboeten – prägen auch mehrere Windmühlen das Landschaftsbild. Die meisten dienen noch heute als Pumpstationen für das ausgeklügelte Bewässerungssystem der Insel. Eine sticht jedoch besonders hervor: die Windmühle Het Noorden. Sie wirkt wie direkt aus einem Bilderbuch entsprungen und erreicht speziell bei Sonnenuntergang einen Kitschfaktor, den man normalerweise nur von Postkarten kennt.
Also: Wanderschuhe schnüren oder aufs Fahrrad steigen und dieses wunderbare Stück Nordsee selbst entdecken.































































